Wir als Eltern sind schlechte Eltern. Zumindest, wenn man einem Teil der Menschen auf der Straße glaubt. Denn wir gehen beide Arbeiten. Und im Grunde sind wir keine schlechten Eltern, sondern ich eine schlechte Mutter. Weil ich eben arbeiten gehe.

Und dann kommt immer nur: Ja, aber das machst du ja nur, weil du noch in der Ausbildung bist. Und wenn ich dann „nein!“ sage, dann fallen alle vom Himmel. Das Klischee, dass eine Mutter, die arbeiten geht, gleichzeitig gar keine Zeit für das Kind hat, ist anscheinend immer noch ganz tief in den Köpfen drin. Und die nächste Frage, die dann in 90% der Fällen kommt ist: „Wieso habt ihr überhaupt ein Kind?“

Und das stört mich. Es stört mich extrem. Denn mal ehrlich: Wenn ich nur arbeiten gehe, weil ich in der Ausbildung bin, dann hätte es auch keinen Sinn gemacht, dass ich in meiner Elternzeit 10 Stunden die Woche gearbeitet habe. Weil ich es wollte. Ich kann immer nur sagen, dass ich generell gerne arbeiten gehe. Dass ich Spaß an meiner Arbeit habe. Ich genieße es mit den Kollegen über „Nicht-Kinder-Themen“ zu sprechen. Natürlich ist unser Sohn immer mal wieder Gesprächsthema, weil nach ihm gefragt wird. Aber das eher weniger.

Ich bin froh, dass ich das machen kann, was mir Spaß macht. Dass, wenn ich arbeiten gehe und etwas tue ausgeglichener bin, als wenn ich zuhause sitze. Und ich fand die zeit des Mutterschutzes und beginn der Elternzeit extrem langweilig. Deswegen war ich oft als Besuch in der Firma. Habe hier und da mit den Kollegen einen Kaffee getrunken und mich nett unterhalten.

Vielleicht liegt es daran, dass unser Sohn ein ausgeglichenes Kind ist. Schon immer war. Er hat viel geschlafen. War ruhig. Und konnte sich mit sich selbst und seinem Spielsachen beschäftigen. So kam es auch mal vor, dass er mit bei Papa und zwei Kollegen im Büro war und ich in Ruhe mit Freunden essen konnte. Und danach einen kleinen Spaziergang machen. Und dann hier und da nochmal einen Kaffee trinken. Im Büro hat er nie gestört. Hat seelenruhig geschlafen und somit der Belustigung von Kollegen beigetragen, die das nicht so ganz fassen konnten.

Und um mal dem Gerücht entgegen zu wirken: Wir haben trotzdem Zeit für unseren Sohn. Die Zeit, die er morgens vor dem Kindergarten und nach Feierabend bei uns verbringt, sind Noah Zeiten. Das sind selten die Momente, in denen wir mit ihm Einkaufen fahren. Oder Wäsche waschen oder der gleichen. Das sind Noah-Momente, die wir ganz intensiv und ohne Ablenkung mit ihm verbringen. Das sind die Momente, in denen wir mit ihm Kuscheln. Ihm Bücher vorlesen. Spazieren gehen und auf dem Spielplatz den Sand umbuddeln. Das sind die Zeiten, in denen wir mit ihm zusammen ins Schwimmbad fahren, mit der Eisenbahn spielen und draußen toben. Das sind ganz intensive 5-6 Stunden am Tag, die ausschließlich Noah und uns als Familie gehören – und dann gibt es da noch das Wochenende.

Obwohl wir beide derzeit Vollzeit arbeiten und Mathias nebenher noch studiert, schaffen wir es, dass wir diese Stunden intensiv nutzen. Zum Knuddeln, lieb haben und spielen. Und das sind die Stunden, wo wir guten Gewissens sagen können: Wir machen da nicht nebenbei den Haushalt. Sind nicht nebenbei abgelenkt, weil wir mit Freunden telefonieren oder haben nur ein halbes Auge auf unser Kind, weil wir so unbedingt noch dies und jenes machen können. Und am Verhalten von unserem Sohn können wir nur sagen, dass es so für uns funktioniert. Dass er ausgelassen fröhlich ist. Er weiß trotzdem, wer Mama und Papa sind. Und das wir in lieb haben.

Wir haben ein Kind, weil wir uns dafür entschieden haben, der Liebe zwischen uns eine Gestalt zu geben. Weil wir wussten, dass uns dieses Kind bereichern wird. Weil wir wussten, dass wir den Spagat zwischen Familie und Beruf schaffen werden.

Author

Mama Hanna (25Jahre jung) kommt gebürtig aus einer kleinen Stadt mitten in Schleswig-Holstein. Seit 2011 wohnt sie mit ihrem Mann (2016) im Münsterland. Der gemeinsame Sohn kam 2014 auf die Welt und machte sie zur Familie.

4 Comments

  1. MMh, ich muss ehrlich sagen, ich hab mich das auch schon oft bei vielen gefragt, Wozu sie Kinder haben. Das ich ehrlich nicht böse gemeint. Aber wenn ich überlege. Man arbeitet 8-9 Stunden am Tag + 1h Pause + Fahrzeit sind es schon 9-11 Stunden die man eben nicht beim Kind ist, dazu kommen 7 Stunden Schlaf. da wäre ich schon bei ca 17 Stunden. wenn man dann noch von 5-6 intensive Kind-stunden ausgeht…. wo bleibt da der Haushalt? Wo bleibt da die eigene Freizeit? Einkaufen? Also bei mir würde die Gleichung nie aufgehen.
    Ich wäre sowas von kaputt oder würde unter schlaf mangel leiden. Ihr seit ja auch noch nebenher am lernen. (Also jetzt mal ehrlich hat eure Tag mehr als 24h? Bitte sagen wie geht das :P)

    Der Zwerg geht nur von 9-16 Uhr in die Kita, abholen&bringen alleine frisst schon 1,5 Stunden. Wir sind 16:45 zuhause, gehen dann noch bis 18 Uhr auf den Spielplatz. Das wars aber schon von „intensive Zeit“ Und mir geht das selber tierisch auf den piss. Nicht umsonst habe ich ihn in seinen ganzen 2 Kindergarten jahren NIE 5 Tage am stück gebracht, wenn ich Freitags oder Dienstags keine Uni hatte blieb er zuhause, damit ich Zeit habe.
    Ich bin ja selber ausser haus wenn er in der Kita ist, und leider wohnen hier keine Meinzelmännchen die noch den Haushalt machen. Heißt ab 18 Uhr: Abendessen machen, Kind durschen/baden, gemeinsam Essen (darauf bestehe ich da es die einzige mahlzeit zusammen ist) Leider müssen wir nach dem Spielplatz auch noch einkaufen. 20 Uhr ist der Zwerg dann im Bett. Morgens läuft es so: 7:30 aufstehen, fertig machen 8 das haus verlassen. heißt er schläft von 20-7:30 von 9-16 uhr kita
    Es bleiben 4h am Tag wo man was machen könnte. aber da sind eben auch dinge wie Einkaufen wichtig, den nach 22 uhr kann ich den einkauf nicht machen, genauso wenig erst danach kochen, den der kleene soll ja mit essen. gehen also rund 1-2h dafür raus. Ich hasse es das ich nur 2h am tag höchstens Intensivzeit habe, aber es ist nur die Ausbildung. sobald ich fertig bin werde ich NIE Vollzeit arbeiten. Das will ich nicht. Mehr fehlt die Zeit einfach.
    ICh bewundere jeden der es kann, aber trotzdem frag ich mich eben genau diese frage, ich frage mich ja selber: warum habe ich ein Kind? das ich es 2h am tag sehe? ne. ich bin froh wenn mein studium um ist. ich nur noch 30h in der woche arbeite. und ich den Zwergen aus dem Ganztag abmelden kann bzw nicht bis 16 uhr in der schule hocken lassen muss. Später wenn Kinder groß sind und nach der shcule zu feunden gehen, ist es was anderes. aber wo sie so kein sind…. ich bereue es das studium nicht vorher gemacht zu haben und die zeit intensiv genutzt zu haben. mit meinen kind und nicht nur ein paar stündchen am tag.

    • Hanna Reply

      Natürlich hat unser Tag nicht mehr als 24h. Aber wir schlafen im Schnitt 6 Stunden. Gehen 8 Stunden arbeiten (inkl. Pause). Pendeln mit dem Auto. Da sind wir so bei 22 Stunden inkl. der intensiven zeit. Das abholen und wegbringen zum Kindergarten sind Minutensachen. Einkaufen machen wir am Wochenende und den Haushalt. Ja. Im Grunde auch. Unter der Woche wird ein bis zwei mal gesaugt (sind ja selten zuhause, öfter momentan nicht nötig) und gekocht wird hier ehrlich gesagt auch eher selten. Weil wir sehr gutes Kantinenessen auf der Arbeit haben. Und wenn, dann wird die Küche direkt im Anschluss sauber gemacht. Wäsche machen dauert auch nicht lange. Gebügelt wird meist Abends, wenn wir eine Serie gucken. Wäsche trocknet ebenfalls alleine… ich warte ja noch darauf, dass die Staubsaugerroboter günstiger werden, damit wir auch dies nicht mehr zwischendurch machen müssen :D

      Nichts desto trotz stimme ich dir zu, dass es anstrengend ist. Und sobald Klausuren sind, wird der Lütte von einem „Übernommen“, damit der andere lernen kann. Aber ich bekomme zum Beispiel auch auf der Arbeit Zeit um etwas für die Uni zu machen. Da es ja zur Ausbildung dazu gehört. Und dem Papa, der ist ein Typ, dass er relativ wenig für seine Noten tun muss. Zum Einen, weil er es durch die Arbeit schon kann. Und zum anderen, weil er eine solche Auffassung hat.

      Aber sobald ich ausgelernt bin, werde auch ich nicht mehr Vollzeit arbeiten, sondern „nur“ 70%. Und ich habe auch weiterhin die Möglichkeit meine Arbeitszeit aufzustocken, wenn ich das möchte. Weil ich am Überlegen war, ob och 70% oder doch lieber 80% arbeiten möchte…

  2. Also ich bin noch nie darauf angesprochen wurden, wie böse ich doch wäre, weil ich arbeiten gehe. Im Gegenteil. Liegt aber wohl auch am Bundesland. Hier ist es normal, dass man nach einer bestimmten Pause wieder arbeiten geht. Nur dass ich meinen Arbeitgeber gefragt habe, ob ich verkürzt gehen kann. Somit ist die Maus von 7:30Uhr bis 15:30Uhr in der Kita und danach ist ihre Zeit. Ich wollte absichtlich beruflich kürzer treten, weil ich Zeit mit meiner Maus verbringen wollte. Aber ich kenne es auch von einigen anders.
    Und wenn ich danach gehe, wie ich erzogen wurde … ich kenne es nicht anders, als das die Mütter wieder voll arbiten gehen oder in seltenen Fällen zuhause geblieben sind.
    Wenn man es sich leisten kann zuhause zu bleiben und einem dann nicht die Decke auf dem Kopf fällt, kann das ja jeder für sich entscheiden. Aber ich finde man sollte die Mütter auch nicht verurteilen, wenn sie es genau andersrum machen. Mir ist zumindest in der Elternzeit, wenn ich nichts weiter vor hatte… über Tage… ebenfalls die Decke auf dem Kopf gefallen…

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  • Hanna

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