Ich bin ein Nerd!

Veröffentlicht am

28. April 2017

Geschrieben von

Hanna

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Immer wieder wird man als Blogger gefragt „Was machst du im richtigen Leben?“ – Tja. Und weil ich dies oft frage, aber auch oft gefragt werden, erzähle ich es euch einfach mal ganz lang und breit.

Designs gecodet

Schon zu meinen Realschulzeiten saß ich Nächte lang bei uns zu Hause in der Küche an meinem Laptop und habe in einem Team mit anderen (in ganz Deutschland verteilten) Mädels Nacht für Nacht Designs gecodet. Ich saß also da und habe die Header selbst in Photoshop zusammengeschustert und danach das HTML und CSS dazu geschrieben. Einen Blog hatte ich schon damals, zu Zeiten von Cutepress – oder so ähnlich.

Technisches Abitur

Es war also nicht verwunderlich, dass ich ein technisches Abitur gemacht habe. Als Leistungskurs hatte ich Anwendungsentwicklung. Platt ausgedrückt: Programmierung. Zudem hatten wir das Fach „Berufliche Informatik“. In den Fächern habe ich PHP gelernt (was ich mir in der Zeit vorher schon beigebracht hatte), habe mit Java als Programmiersprache erste Berührungspunkte gehabt und tatsächlich sogar Assembler gelernt. Wem das nichts sagt: Assembler kommt aus den 50ern und ist sehr maschinennah. Java ist deutlich moderner.

SailING an der FH Flensburg

Und weil mir mein Leistungskurs nicht genügte, habe ich mit zwei Schulkameraden – einer von denen ist heute auch beruflich mein Kollege… und das, obwohl wir hier 400km von unserer Heimat entfernt sind – bei einem Projekt der FH Flensburg mitgemacht. Damals haben wir die Hardware in Form eines Modell-Segelschiffes bekommen. Es hatte verschiedene Sensoren, die wir ansteuern konnten. Wir fügten einen Kompass hinzu (der leider nur 2- anstatt 3-Dimensional war, und mit dem Wellengang der Flensburger Förde nicht so recht klar kam) und programmierten dann die Segelroutine, die das Schiff nutzte um von A nach B zu kommen. Im Grunde mit Folgendem zu vergleichen: Du hast ein ferngesteuertes Auto und sagst ihm: Fahr zur Adresse A. Er weiß nur, dass er bei Adresse B ist. Hat aber Sensoren, die ihn erkennen lassen, wie die Umgebung ist (z.B. ist da ein Hinderniss? Dann muss ich anders reagieren).

Kannst du segeln?

Für diese Segelroutine mussten wir erstmal segeln lernen. So haben wir ein Wochenende in der Segelschule verbracht. Unser „Kopf“ konnte danach zwar blind segeln, jedoch haben wir dennoch unseren Segeltourn versiebt, als auch die Segelregatter mit unseren Booten verloren. Ersteres weil wir Flaute hatten (es war einfach kein Wind mehr auf der See…) und Letzteres, weil es ein Glücksspiel war mit den Angaben des Kompasses (den hatten aber alle Schulen) zu arbeiten, weil wir den Wellengang nicht mit einberechnet haben. Noch heute sind wir sicher: Wären wir auf einem See gewesen, dann hätten wir gewonnen! So haben wir nämlich unsere Segelroutine oft getestet. Dieses Projekt war das wohl coolste, was ich als Schüler erlebt habe. Und ich frage mich da auch heute immer wieder noch: Kann man sowas nicht irgendwo adaptieren? Ich habe auch schon mit meinem Kollegen rumgesponnen, ob man sowas nicht auch bei unseren Azubis machen kann – dass verschiedene Standorte/ Lehrjahre gegeneinander antreten. Bei uns ging dieses Projekt ein Jahr lang. Und in dieser Zeit habe ich in den verschiedensten Bereichen so viel gelernt, wie noch nie! Vektorrechnung, eine neue Programmiersprache (Dynamic C), Rekursion und den Umgang mit Pointern. Was für eine spannende Zeit, die ich niemals missen möchte!

Probestudium Informatik

In den Sommerferien darauf habe ich mit dem oben erwähnten Kollegen zusammen ein „Probestudium“ Informatik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel absolviert. Dort ist es so, dass jeder neue Jahrgang eine neue Programmiersprache lernt (zumindest war es damals so). Das hat den Vorteil, dass auch die, die schon programmieren können etwas Neues lernen müssen. Klar haben diese den Vorteil, dass sie schon das Denken des Programmierens können. Wir haben dort anhand der Programmiersprache ERLANG ein Projekt gemacht und Programmierspiele am Computer gespielt. Ich meine mich noch daran zu erinnern, dass wir zu „schnell“ waren, weil wir eben schon programmieren konnten und deshalb zwischendurch nicht zu kommen brauchten.

Und dann?

Ich habe ein Duales Studium begonnen. Ganz klar in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung. Nach dieser ganzen Zeit stand fest: Ich werde Programmiererin. Ursprünglich habe ich das Abitur nur gemacht um Architektur zu studieren. Heute Programmiere ich (ja tatsächlich!) in COBOL. Einer Programmiersprache, die seit mindestens 20 Jahren totgesagt wird. Die Erfahrungen aus der Segelschule und aus dem Projekt an der FH Flensburg hatte zugute, dass ich das Accessment-Center für die Ausbildung bestanden habe… Naja, zumindest den einen Test, in dem es darum ging, sich Sachen zu merken und am nächsten Tag aufzuschreiben. Doof nur, dass es Fragen aus der Segelführerscheinprüfung waren… Oder doch eher Glück für mich?! Neu war allerdings, dass scheinbar nicht alle wissen, was See- und was Landwind ist! In Schleswig-Holstein lernt man das schon als kleines Kind – spätestens aber in der Grundschule! „Bei Seewind darfst du deine Luftmatte mit auf Meer nehmen. Bei Landwind nicht, weil du sonst rausgezogen wirst!“

Geschrieben von Hanna

Ich bin Hanna, 28 Jahre jung. Gebürtig komme ich aus einer kleinen Stadt in Schleswig-Holstein. Mittlerweile lebe ich mit meinem Mann und unseren zwei Söhnen im Münsterland.

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3 Kommentare

3 Kommentare

  1. Das mit dem See- und Landwind hätte ich aber auch nicht gewusst… dazu wohne ich wahrscheinlich einfach zu weit ländlich als in Wasser nähe :-)

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  2. „habe in einem Team mit anderen (in ganz Deutschland verteilten) Mädels Nacht für Nacht Designs gecodet“
    Yay ^__^ – gute alte Zeiten.

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