Weniger Geld – meine Erfahrung mit dem Entgelttransparenzgesetz

Veröffentlicht am

8. März 2022

Geschrieben von

Hanna

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Ihr wisst, ich habe gekündigt. Ein tieferer Grund ist folgender: Ich wurde schlechter bezahlt als Männer! Und das habe ich schwarz auf weiß. Denn ich habe von meinem Recht gebrauch gemacht. Nach dem Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) stand es mir zu, das Gehalt von den Menschen anderen Geschlechtes nachzufragen. In meinem Fall: Männer!

Ex-Azubis reden untereinander

Ich hatte immer guten Kontakt zu Ex-Azubis in der Firma. Und wie es meine Art ist: Wenn ich was wissen möchte, dann frage ich einfach mal nach. So wurde auch das Thema Gehalt mehrmals zum Gesprächsmittelpunkt. Mir war früh bewusst, dass männliche Kollegen eine bessere Verhandlung haben und sich das Geld auch zum Teil mehr einfordern, als ich es getan habe. Weil ich der Meinung war: „Wir haben genug, mehr brauch ich auch nicht.“ Im Nachhinein zwar vielleicht ganz nobel von mir, aber nicht richtig! Dabei habe ich natürlich immer mein Teilzeitgehalt auf Vollzeit hochgerechnet und das Brutto verglichen. Bevor hier wieder nette Ratschläge folgen werden.

Mir war bewusst, dass ich etwas weniger verdiene, aber es war okay – ich hatte ja die Erfahrung gemacht, dass ich angeblich kein Bonus verdienen würde, weil ich erstmal Vollzeit arbeiten gehen sollte. Aber das ist ein anderes Thema…

Was ist denn nun Fase?! -20%!

Im Dezember 2019 habe ich dann die Anfrage nach dem Gehalt auf Basis des Entgelttransparenzgesetz bei meinem Arbeitgeber gestellt. Im April 2020 habe ich dann eine Antwort bekommen. Und die Werte bezogen sich auf das Kalenderjahr 2018. Ich möchte nochmal betonen, dass ich wusste, dass ich weniger verdiene. Aber die Höhe fand ich heftig! Wenn ich das in Prozentuale Zahlen gieße sind das in meinem Fall 20% gewesen. Im Durchschnitt sprechen wir übrigens von 18%.

Was bedeutet es in der Wirklichkeit?

Ich weiß, dass es in meinem Fall ein Meckern auf „hohem Niveau“ ist, weil ich weiß, dass ich gut bezahlt wurde. Und trotzdem muss ich sagen, dass es nach dem ersten Schock egal war. Ich dachte es zumindest. Denn im Vorfeld war ich in einem Umfeld in der Firma, in der ich mich wohl fühlte. In der ich gerne mehr Verantwortung übernommen hätte. Wo ich gerne gearbeitet hätte. Aber nicht durfte. Und so habe ich innerhalb der Firma meinen Arbeitsplatz gewechselt. Dann kam Corona. Und dann kam in meinen Augen der große Bruch. Weil keiner verstanden hatte, was es wirklich bedeutet mit zwei kleinen Kindern zuhause im HomeOffice zu arbeiten. Weil ich der Meinung war mein bestes zu geben.

Was bringt das Entgelttransparenzgesetz?

Ich wusste ab dem Zeitpunkt, wie viel ich wirklich weniger verdiene. Und dann? Das wars alles. Es ermöglicht mir nichts weiter. In der Wirklichkeit bedeutet es nur, dass der Frust eventuell viel höher ist. Es gibt vielleicht, wenn man in der gleichen Branche bleibt, einen Anhaltspunkt, wie hoch man das Gehalt ansetzen kann. Aber das Gesetzt ist aktuell ein zahnloser Tiger. Hier sollte die Politik nachsteuern!

Wertschätzung – wo bist du?

Ein Punkt, den immer mehr Firmen lernen müssen – zumindest in meinem Verständnis: Wertschätzung und das Miteinander sind viel wichtiger als Geld. Ich habe erfahren, dass in den letzten Jahren sich aus meinem Umkreis immer mehr Menschen für mehr Wertschätzung und mehr Freiheit und gegen mehr Geld entschieden haben. Ganz bewusst. Denn nur mit mehr Geld, bittet sich nicht mehr Zufriedenheit.

Geschrieben von Hanna

Ich bin Hanna, 28 Jahre jung. Gebürtig komme ich aus einer kleinen Stadt in Schleswig-Holstein. Mittlerweile lebe ich mit meinem Mann und unseren zwei Söhnen im Münsterland.

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