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Gedanken

Wenn das Herz auf der Zunge liegt

27. Februar 2017
Mama und Sohn

Ich gehöre zu den Menschen, die einen „starken“ Charakter haben – zumindest ist es das, was andere schön öfter mal zu mir gesagt haben. Ein Mensch, der inspirierend ist und Leute auf den ersten Blick einschüchtert. Einfach, weil ich eine Ausstrahlung habe. In meinem AC hatte der gegenüber mal gesagt, dass ich jemand bin der leuchtet.

Wenn man mich fragt, dann würde ich mich selbst immer anders beschreiben: Als Mensch, der eigentlich gerne neue Menschen kennenlernt. Eigentlich nicht schüchtern ist, aber durch viele schlechte Erfahrungen eher zurückhaltend wurde. Ein Mensch, der erst die Lage „abchecken“ muss, bevor er rauskommt. Ein Mensch, der Wert darauf legt, dass jeder seine Meinung äußern kann, aber doch oft genug von der eigenen überzeugt ist.

In der Grundschule, war ich extrem schüchtern. Habe mir wenig bis gar nichts zugetraut. Ich habe wenig geredet und wenn, dann nur auf dem Schulhof. Das sind die Erinnerungen, die ich an meine Grundschulzeit hatte und die meine Lehrer mir auch mitgeteilt haben. Genau wegen dem nichts zutrauen, war ich auch beim Kinderpsychologen, der mir geholfen hat.

Auf der Realschule kam die „Verwandlung“ – so hat es damals mein Physiklehrer (ich habe Physik geliebt!) bei meinem Abschluss ausgedrückt – das aufgehen einer Rose. Auf einmal fand ich mich in der Rolle des Klassensprechers wieder und kam aus mir heraus. War aufgrund meiner Physik und Chemie Kenntnisse bei anderen beliebt und habe viele Klassenkameraden – vor allem im letzteren Fach – abschreiben lassen. Ich habe aber auch bei dem Verständnis geholfen, wenn man mich gefragt hat ;)

Beim Beruflichen Gymnasium war ich mit nur zwei anderen Mädchen in einer Jungs Klasse. Da lernt man sich automatisch durchzusetzen. Es lag mir auch immer mehr (noch heute ist das so) mich mit Männern zu unterhalten. Das liegt oft daran, dass die Interessen und auch die Stärken dichter beieinander liegen. Und auch einfach daran, dass man ihnen oftmals die Meinung vor den Latz knallen kann. Und dann ist auch gut, kein tieferes Hass-Empfinden und keine Hinterlistigen-Touren. Einmal zu einem Thema die Meinung geigen und dann istes auch gut. Man kann sich trotzdem noch Hallo sagen und über andere Dinge unterhalten.

Ich wurde zu einem Menschen, der sein Herz definitiv auf der Zunge trägt. Der seine Meinung oft äußert, ohne weiter drüber nachzudenken. Nicht, weil ich andere versuche zu verletzen, sondern weil es Dinge sind, die ich loswerden muss. Und genau dieser Umstand macht mich so verletzlich. Ein Herz, dass auf der Zunge liegt, ist viel angreifbarer, als die im Körper drin. Mit der Kombination, dass ich meine Gefühle schlecht verbergen kann und in bestimmten Situationen oft emotional reagiere, weil ich nunmal so bin(!) ist es eine gefährliche Kombination. Weil viele nicht mit dem Herzen auf der Zunge umgehen können. Und noch viel weniger damit umgehen können, dass ich bei einem „Angriff“ emotional reagiere. Weil ich das oft selbst doof finde und sage, dass sie das einfach ignorieren sollen, fühlen sie sich noch viel mehr ertappt.

Viele können genau sehen, wie es mir geht. Wenn etwas in mir hervorgeht oder ich über Dinge extrem Wütend und trurig bin. Ich bin manchmal wie ein offenes Buch, in das jeder hineinschauen kann. Und dies ist oftmal gar nicht toll. Weil viele Menschen – sehr viele Menschen – bei anderen die Verletzbarkeit suchen um darin rumzubohren. Um Salz reinzustreuen und nochmal schön mit dem Hammer hinterher hauen. Und diese Wunden dann wieder zu pflegen und sie abzuschütteln, ist unmöglich. Und was es nochmal zusätzlich erschwert: Ich versteh oftmals gar nicht, warum Menschen so sind. Weil ich selbst soetwas gar nicht bewusst machen würde. Weil ich mich immer frage: Was habe ICH denn davon, wenn es dem anderen schlecht geht?

  • Reply
    Alu
    27. Februar 2017 at 20:05

    Ich denke solche Menschen brauchen dad für sich. Einen herabzusetzen, sich stärker und besser fühlen als der Andere, das gibt solchen Menschen vielleicht einen Kick, oder sowas. Ich kenne das auch, denn ich bin auch ein offenes Buch, nicht immer einfach. ♡ lg alu

    • Reply
      Hanna
      28. Februar 2017 at 21:39

      Auf keinen Fall einfach. Manchmal will man ja auch gar nicht, dass andere die eigenen Gefühle sieht. Und dann ist das bei mir auch noch so, dass ich Tränen in den Augen bekomme, wenn ich mich doll freue, Mega wütend bin, mich ungerecht behandelt fühle und zum Schluss natürlich einfach traurig bin ????

  • Reply
    Eva aus sockenbergen
    1. März 2017 at 10:02

    Ich bin zwar kein offenes Buch, aber in sehr vielem von dem oben geschriebenen erkenne ich mich wieder. Momentan hat mich meine starke Meinung und mein Dickkopf in eine Situation gebracht, die verdammt schwierig ist. Aber gut.
    Warum Menschen andere noch extra provozieren, mobben, sticheln, weitermachen … keine Ahnung. Es sind vermutlich unterschiedliche Gründe, zumindest sagt mir das die Psychologie. Angreifbar zu sein ist nicht schön, aber ich habe dich auch als sehr starken Menschen kennengelernt. Bleib so wie du bist! Du bist klasse!
    Und auch als Frau unterhalte ich mich sehr gerne mit dir ;)

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