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Alltag Familie Gedanken

Wochenendfamilie

15. März 2015
Papa und Kind lesen ein Buch | familiert.de

Zur Zeit bin ich unter der Woche in einer anderen Stadt – 200km von zuhause entfernt – um mein Duales Studium zu beenden. Mann und Kind sind derweil zuhause und verbringen die meiste Zeit dort. Am Wochenende komm ich nach Hause.

Wenn man von einer Wochenendfamilie liest, dass ist es meistens der Mann, der Handwerker ist und auf Montage muss zum arbeiten. Oder ein Soldat, der dann und wann nicht zuhause ist. Bei uns ist das ein wenig anders. Da bin ich – die Mama, die Frau – nur am Wochenende zuhause. Und es zerreißt mich jedes Wochenende auf ein neues, wenn ich Mann und Kind zuhause lassen muss.

Jede Woche habe ich auf ein neues das Gefühl, dass ich die beiden im Stich lasse. Ich weiß genau, dass ich es nicht tue. Das es jetzt für kurze eben mal so sein muss. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass unser Sohn zur Zeit im Vergleich zu sonst schon viel krank ist. Ich weiß es nicht, aber dieses Gefühl werde ich definitiv nicht mehr los.

Aufgrund genau dieser Tatsache versuche ich meine arbeiten immer unter der Woche zu machen und am Wochenende mehr Zeit zu haben. Um die Zeit als Familie vor allem auch mit meinem Sohn zusammen genießen zu können. Das funktioniert aber nicht immer. Und wenn ich dann hier zuhause bin und doch noch etwas für die Uni machen muss, dass habe ich ein doppelt so großes schlechtes Gewissen, weil ich die wertvolle Zeit, die ich hier bin, nicht 100% für ihn aufbringen kann.

Zu sehen, was er schon alles so viel mehr kann – im Vergleich zum Beginn der Unizeit – die macht mich stolz. Und ein wenig traurig. Weil sie mich bewusst werden lässt, wie viel sich in  sechs Wochen doch schon tut. Irgendwie ist die Angst schon da, dass man etwas elementares verpasst. Die ersten Schritte alleine zum Beispiel. So, dass man sich wünscht, dass er es nicht genau in dieser Zeit lernt. Obwohl man sich dabei auch gleich wieder denkt: Wie kann man sich so etwas nur wünschen?! Es ist natürlich toll, wenn er es lernt. Und es wäre unbeschreiblich schön und bringt ihm so viel Eigenständigkeit. Aber…

Dann gibt es da dieses Wochenende, an dem ich mit meinem Sohn nicht alleine in einem Raum sein darf, weil er dann anfängt zu weinen und hinter Papa hinterher krabbelt. Und das sind die Momente in denen mein herz mir weh tut. Das ich mitbekomme, dass mein eigener Sohn anfängt bei mir selbst zu fremdeln. Wo er das doch sonst bei keinem macht. Auf dem Wochenende darauf ist wieder alles gut und ich darf ihn sogar wieder alleine ins Bett bringen. Ein auf und ab. Mit uns und vor allem meinen Gefühlen.

Ich habe vor jedem Respekt, der so ein Familienleben aufbaut. Mit der Familie am Wochenende und der Arbeit unter der Woche. Ich kenne viele, die Pendeln und die Kinder deshalb unter der Woche nicht sehen. Früher habe ich immer gedacht: „Ja, mein Gott… ist wohl nicht so schlimm, wenn man selbst die Wahl hat und es so regelt“ – Aber manchmal hat man einfach keine Wahl. Und ich merke immer wieder, dass dies absolut nichts für mich wäre. Nichts, was ich mir wünschen würde. und so zähle ich jeden einzelnen tag der letzten 288 Stunden. Bis ich meine Familie wieder rund um die Uhr um mich haben kann.

  • Reply
    Sarah
    15. März 2015 at 16:26

    Hi Hanna,
    ich habe keine Erfahrung damit, finde es aber total super, dass du das für dich, dein Studium und letztlich deine Familie durchziehst. Denn darum geht es, eine Grundlage für euer gemeinsames Leben zu schaffen.
    Ich habe mit Kind und auch lernendem Mann studiert und weiß, wie anstrengend auch noch die Verteilung der Aufgaben in der Prüfungszeit ist. Ich habe sehr viel Respekt vor deiner Situation. Weiter so!
    Viele Grüße
    Sarah

    • Reply
      Hanna
      15. März 2015 at 17:08

      Hallo Sarah,

      lieben Dank für deine Worte. Das ist auch mein eigener Anspruch, dass ich das durchziehe und meine Ausbildung bzw. das Studium beende. Das war von vorne herein klar. Ich wusste nur nicht, wie schwer es für mich werden würde. Für die anderen beiden kann ich ja nicht sprechen…

  • Reply
    Sabrina
    15. März 2015 at 17:19

    Respekt. Ich könnte das nicht. Erhlich nicht. So wichtig wie meine Familie ist nichts anderes :/ Vielleicht auch falsch, aber ich würde kaputt gehen. Ich bin also eher genaudas gegenteil, lieber mache ich meinStudium länger als kostbare Zeit mit meinen Kind zuverpassen. Ich habe auch erst 4 Jahre Elternzeit gemacht, naja ok ich hatte 3 das erste Jahr war ich ja auch studentin, aber habe schnell gemerkt das ich das net kann.

    Ich bewundere jeden der es KANN! Ich kann mir nie vorstellen mehr als 30h zu arbeiten oder so. Ich weiß nicht. Mir tut es jetzt schon weh das mein Sohn in die Ganztagsschule muss… wenn es finanziell ginge würde ich ganz daheim bleiben. Ich bin ne Typische Glucke XD Hausfrau das reicht lol.

    Aber schön das ihr das dennoch schafft, das du es durchziehst und die kraft hast weiter zu machen, wie gesagt ich hätte aufgegeben. Ich glaub dein Weg ist da sinnvoller als meiner…

    • Reply
      Hanna
      15. März 2015 at 17:24

      Ich habe meine Ausbildung ja auch verlängert. Aber ich habe keine andere Wahl, als das Studium in einer anderen Stadt zu beenden. Sonst müsste ich kündigen und privat weiter studieren, was aber gar keinen Sinn macht. Dazu bin ich auch zu gerne bei meinem jetzigen Arbeitgeber.

      Und ich bin nicht so, dass ich nur Zuhause bleiben könnte. Ich kann Hausfrauen und Mütter nur respektieren, die zuhause bleiben. Ich könnte es finanziell gesehen auch, aber dann würde ich wiederum kaputt gehen und vermutlich depressiv in der Ecke hängen… Dafür gehe ich viel zu gerne arbeiten.

      • Reply
        Sabrina
        16. März 2015 at 19:17

        Mittlerweile gehe ich sehr gerne in die Uni. Und will es auch nicht missen. Dafür lieb ich zu sehr auch mal für mich was zu tun.
        Ganz Zuhause sein will ich gar nicht mehr. Das sah vor Jahren noch anders aus. Bei uns wird wohl mein Freund nich ein duales Studium dass er will nun in der Abendschule Abi nachholen und dann handelsfachwirt machen und da ist er ja auch nen Monat wega,

  • Reply
    Rückblick: März 2015 Familiert.de
    2. April 2015 at 12:32

    […] durfte ich immer wieder Videos schneiden. 11. Ich habe darüber gebloggt, wie es für mich als Wochenendfamilie angefühlt hat. 12. Auf dem aller letzten Drücker an der Tankstelle angekommen. Da hatte ich auf […]

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    Endlich wieder Alltag Familiert.de
    8. April 2015 at 19:40

    […] wieder einen halbwegs vernünftigen Alltag als Familie. Ich habe euch ja schonmal geschrieben, wie meine Gedanken waren, als ich in der Uni war. Dazu kann ich einfach nur immer wieder sagen: Zum Glück ist diese Zeit […]

  • Reply
    Fuddles
    17. September 2016 at 11:51

    Liebe Hannah, ich kann es so gut nachvollziehen. Besonders schwer ist es wenn das Kind sehr klein ist und wenig eigene Selbstständigkeit hat und sich von Woche zu Woche verändert. Ich glaube das man so auch nur eine zeitlang leben sollte.
    Es geht aber noch komplizierter.
    Ich, männlich, 35, selbstständig mit 2 Geschäften (Start Up vor 1,5 Jahren) bin Vater einer 8 jährigen Tocher aus voriger Beziehung. Mit meiner jetzigen Frau bin ich seit 3 Jahren verheiratet. Es war vorher schon nicht einfach, aber gut geregelt. Meine Tochter ist im Wechsel jeweils eine Woche bei mir und eine Woche bei seiner Mutter. Das praktizieren wird bereits seit 5 Jahren erfolgreich im Sinne des Kindes. So hatte meine Tochter die Möglichkeit eine enge Beziehung zu Mutter und Vater aufzubauen. Das sie 2 Lebensmittelpunkte hat ist für Sie normal. Die Wohnorte liegen 15km auseinander. Allerdings war es mir wichtig das KiTa und Grundschule für sie ein fester bleibender Bestandteil sind. So kommt es das ich eben die 15km zur Grundschule morgens fahre und anschliessend weiter 40km zu meinem Geschäft. Abends wenn die Tagesbetreeuung aus ist, geht es den Weg zurück. Bedauern tue ich daran nur das es immer 2 Wochen im Monat gibt an denen ich meine Tochter nicht sehe, aber mir immer bewusst halte, das es für sie so eben am besten ist. Sie muss auf niemand aus ihrer Familie verzichten. Jetzt kommt eben noch hinzu das meine Frau seit einem Jahr ihr Studium beendet hat und sie die Möglichkeit bekam einen absoluten Topjob zu bekommen.
    Allerdings 250km entfernt. Sie hat den Job angenommen und ist eben nur noch am Wochenende zu Hause. Es ist zu meistern, aber wirklich glücklich macht micht die aktuelle Lage nicht. Der Gedanke, „nur“ eine Wochenendfamilie zu haben macht mich sehr traurig. Aber es ist immer noch besser als ganz alleine zu sein.
    So long Hannah, ich hoffe für dich auf ein baldiges erfolgreiches Studiumende und das du wieder vereint bist mit deiner Familie.

    • Reply
      Hanna
      19. September 2016 at 14:54

      Vielen, vielen lieben Dank für deinen Kommentar!
      Deine Situation ist allerdings etwas anderes als alltäglich. Wahnsinn, dass ihr das so meistert! Vor allem, finde ich es bemerkenswert, wie du damit umgehst, dass dir das Allgemeinwohl wichtiger ist, als das, was du dir für dich alleine wünscht. Das ist schon echt beeindruckend!

      Ich bin nun schon seit so ziemlich einem Jahr fertig mit meinem Studium – seitdem ist viel passiert und wir sind nicht nur noch am Wochenende zusammen. Deinen Kommentar habe ich mal als Anlass genommen, da nochmal drüber nachzudenken. Ich bin zum Schluss gekommen: Die Zeit heilt alle Wunden! Klar, war die Zeit nicht die schönste. Aber so genau dran erinnern kann ich mich ehrlich gesagt nicht. Weil einfach seitdem zu viele schöne Dinge passiert sind und diese einfach überlagern…

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    Bye Bye Zweitwagen - Hallo Lastenrad! - familiert.de
    12. Juni 2018 at 21:11

    […] an einem kleinen Bahnhof hatten, der nicht mal einen Bäcker hat. Außerdem musste ich auch noch zeitweise nach Hameln pendeln um zur Uni zu können. Auf meine Mitfahrgelegenheit konnte ich nicht mehr zurück greifen, denn ich habe meine Ausbildung […]

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