Ein sehr zentraler Punkt bei uns in der Familie ist aktuell meine Kündigung. Ich habe mich nämlich dazu entschieden, dass ich nach insgesamt 10 Jahren das Unternehmen zu verlassen. Und es ist alles schwer für mich zu beschreiben, denn das ganze hat zwei Seiten…

Ein weinendes Auge

Ich habe auch geweint. Weil mir der Weg nicht nur leicht fällt. Es bewegt mich, denn ich habe dort meine Ausbildung gemacht. Ich habe viele nette und inspirierende Menschen kennengelernt und habe mit ihnen arbeiten dürfen. Dort habe ich meinen Mann kennengelernt und viele Freunde gefunden. Eine Zeitlang war nahezu mein ganzes Soziales Netzwerk innerhalb der Firma, denn ich habe mein Wohnort für das duale Studium verlassen. Wenn ich nicht innerhalb der Firma neue Freunde gefunden habe, habe ich viele Freunde in diese Firma reingeholt. Diese Firma habe ich gelebt. Sie hat mich geprägt. Menschen haben mich 10 Jahre begleitet und auch unsere Kinder aufwachsen sehen. Denn zu Firmenveranstaltungen haben wir sie mitgenommen, bei Weihnachtsfeiern waren sie zum Teil als Babys einfach dabei. Ein Vorgesetzter sagte einmal wörtlich zu mir bei einem Spiel auf einem Firmenevent  „Ich kümmere mich um deinen Sohn, deine Kompetenz ist hier mehr gefragt, als meine.“

Ein lachendes Auge

Über all positives habe ich aber auch innerhalb der Firma schlechte Erfahrungen gemacht. Ich bin durch typische Situationen gegangen, die vor allem junge Frauen in einem männlich dominierten Berufsumfeld nun mal haben. Und das ist super frustrierend, dass ich dies immer noch im Jahre 2021 so schrieben muss. Ich habe mir Sprüche anhören dürfen, wie „Nimm dir mal ein Beispiel an meinen Jungs!“ oder eben „Du hast keinen Bonus verdient, geh erstmal Vollzeit arbeiten…“. Bei manchen wurde ich aber auch mit meiner 80% Arbeitskraft als 20% Verlust gesehen. Und nach Jahren des Kampfes habe ich jetzt entschieden aufzugeben. Ich gehe. Denn den mentalen Druck, den ich letztes Jahr bei dem ersten Lockdown und dem Einbruch der Kinderbetreuung habe ich keine Lust mehr. Vielleicht auch keine Kraft mehr. Vielleicht ist es auch das mütend sein. Aber mir gehts sehr gut. Ich bin froh darum, dass ich den Weg so gewählt habe. Es fühlt sich wie eine Befreiung an!

Was kommt nun?

Ich weiß es nicht. Ganz einfach. Ich habe einfach mal so gekündigt. Es gibt keinen neuen Arbeitsplatz. Es war ein Befreiungsschlag, der einfach sehr gut tut. Und irgendwo schmerzt, denn ich habe die Firma gelebt. Im positiv gemeintem Sinne. Es gab da einen Plan, was ich machen wollte. Der zerschlägt sich aber auch gerade… Es gibt mehrere Eisen im Feuer. Ich muss nur eines ziehen. Und welches ist noch ungewiss!

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Ich bin Hanna, 28 Jahre jung. Gebürtig komme ich aus einer kleinen Stadt in Schleswig-Holstein. Mittlerweile lebe ich mit meinem Mann und unseren zwei Söhnen im Münsterland.

3 Comments

  1. Pingback: Ein ganz schön leeres und volles Jahr zugleich - familiert.de

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