Unser Kind ist zwei. Zumindest, wenn man nach dem Spruch „Trouble two“ geht. Denn der besagt ja, dass die Kinder dann anfangen zu bocken. Und das ist bei uns der Fall.

Und zwar in der Form, dass sich unser Sohn dann und wann auf den Boden schmeißt. Wenn er sich über irgendwas ärgert, dann kann man ihm nicht helfen. Will man ihn trösten, dann fängt er an zu hauen und zu kneifen, weil er alleine sein will. Kann ich auch verstehen. Ich bin selber so, dass ich die Sachen mit mir selbst ausmache.

Und was machen wir dann?

Ich gebe ihm die Zeit die er brauch. Dann lasse ich lieber mal Termine ausfallen oder schaffe am Tag weniger. Auch mitten beim Einkaufen setze ich mich neben ihm und sage ihm, dass er sich ärgern darf und wenn er mich braucht, dann bin ich da. Manchmal bleibt er liegen und ignoriert mich. Irgendwann steht er dann auf und geht weiter, als wäre nie was gewesen. In anderen Situationen kommt er zu mir und beklagt sich bei mir. Dann nehme ich ihn einfach in den Arm und sage, dass man sich ärgern darf, aber nicht alles erlaubt ist. Dann gibt es noch die Fälle, wo er komplett auf stur schaltet. Dann sitze ich auch mal 15 Minuten mit ihm im Laden, auf der Straße oder sonst wo. Und dann kommt die Zeit, dass er zu mir kommt und ich ihn auf dem Arm trage. Für kurze Strecken völlig okay.

Was mich an unseren Vorgehen einfach stört…

Das die anderen Leute doof gucken. Manchmal auch einfach doofe Sprüche ablassen. So durfte ich in einem Laden mir schon anhören „Schämen Sie sich nicht, sich auf den Boden zu setzen?“ – Ganz klares NEIN! Weil ich meinem Kind auf Augenhöhe begegnen möchte. Weil auch er sich ärgern darf und wenn er es zum Abreagieren braucht sich auf den Boden zu schmeißen, dann ist das so!

Wenn wir einkaufen sind,

darf er sich immer was aussuchen. In Lebensmittelläden sind dies Nanen (Bananen) oder auch Sinen (Rosinen). Da haben wir gar nichts gegen – die werden so oder so gekauft. Wenn wir bei DM sind darf er sich auch immer EIN Teil aussuchen. Meistens ist das so ein Fruchtriegel. Das kann aber auch mal ein Quetschi sein. Letztens hat er sich so einen Quetschi ausgesucht. Und war draußen sauer, dass der so schnell leer war. Und ist wutentbrannt wieder zurück in den Laden gerannt. Da habe ich ihn auf den Arm genommen und nochmal erklärt, dass es EIN Teil gibt. Und er sich das jetzt ausgesucht hat. Da fing er an zu hauen, für mich ein Zeichen ihn runter zu setzen. Und da hat er sich auf den Boden geschmissen. Wieder habe ich mich daneben gehockt. Kommt eine Frau an und blafft mich an „Mein Gott, dann kaufen Sie ihm doch einfach noch einen, kostet ja nicht die Welt!“ – Nein! Die Regel war, dass er sich EIN Teil aussuchen darf. Und das hat er getan. Wie soll er denn verstehen, dass er mal zwei und mal nur eins darf?

Draußen auf der Straße

Da haben wir auch ein paar Geschichten. Wenn er zum Beispiel eine Runde Fahrrad fahren möchte, dann aber urplötzlich absteigt und von mir getragen werden will. Ich erkläre ihm hier wieder ruhig, dass ich nicht ihn und das Fahrrad tragen kann, er aber 1.) sich darauf setzen kann und ich ihn schiebe oder 2.) er laufen kann und ich das Fahrrad nehme. Das Erkläre ich ihm übrigens auch vorher, wenn er mir verbietet den Kinderwagen mitzunehmen (da stellt er sich echt vor, schieb den zurück und sagt NEIN!). Dann kann es zwar sein, dass er mir weinend hinterher läuft, aber er läuft. Auch wenn man dann für einen weg vom Kindergarten 1 Stunde anstatt 5 Minuten braucht. So ist das nun einmal bei uns.

Das ist uns wichtig!

Was uns in dieser Situation wichtig ist und wir beibehalten wollen: Unserem Kind die Zeit zu geben sich zu ärgern. Denn natürlich darf er sich ärgern und richtig wütend sein. Und wenn er das lieber alleine ist, dann setzen wir uns nur daneben und bieten ihm unsere Nähe an. Kann ja jeder selbst entscheiden, wie er wütend sein möchte. Und wenn die größte Wut raus ist und er wieder genug Aufmerksamkeit für uns hat, dann ist es uns wichtig ihm die Sache zu erklären. Und das ist das, was uns hilft. Dann opfern wir lieber die 15 Minuten „bocken“, als es zu riskieren ein dauerhaft schlecht gelauntes Kind zu haben!

Author

Mama Hanna (27 Jahre jung) kommt gebürtig aus einer kleinen Stadt mitten in Schleswig-Holstein. Seit 2011 wohnt sie mit ihrem Mann (2016) im Münsterland. Der gemeinsame Sohn kam 2014 auf die Welt und machte sie zur Familie. Ende 2018 gibt es weiteren Nachwuchs.

7 Comments

  1. Ich finde es gut, dass du auch einmal so ein Thema anschneidest!
    Manche Leute wollen einem immer gerne rein reden in die Erziehung, aber auch die Beziehung. Gut, dass du so damit umgehst. :)

    • Hanna Reply

      Klar! Das Leben mit Kind ist nicht nur Friede Freude Eierkuchen, macht nur Spaß, weil man viel kuschelt und konstruktiv miteinander spielt…

      Ich finde es wichtiger, dass jeder seinen Weg finden und gehen kann. Und man nicht mitten im DM kritisiert wird. Zumal niemand weiß, ob wir es und wirklich leisten können, so einen quetschi zu kaufen… ein bisschen Toleranz, wenn da jemand andere Wege, als einer selbst geht wäre angebracht. Zumal unser Sohn sich viel mehr in die Wut reinsteigert, wenn wir versuchen ihm zu helfen…

  2. Wir machen es genauso! Wir haben schon sehr oft in der Fußgängerzone gesessen :-)

    Einmal habe ich ein altes Ehepaar angemeckert: Mein Großer saß auf dem Boden und weinte bitterlich, weil er kein Gummibärchen mehr von mir bekam. Wir saßen also auf dem Boden und ich wartete ab. Das Ehepaar wollte nett sein und helfen und bot uns ein Bonbon an. In dem Moment hat es mich einfach nur genervt, dass es immer wieder Süßigkeiten sind, die angeboten werden….

    Andere haben gefühlt immer mehr Anhnung von der Erziehung der Kinder :-)

    • Hanna Reply

      Oh nein. Sowas ist wirklich doof! Aber das mit den Süßigkeiten finde ich auch komisch. Auch im Laden lächel ich dann immer und sage: Nein danke! Denn bei uns gibt es generell keine Süßigkeiten. Weil wir sie gar nicht haben. Und weil unser Kind sie eh zu 90% ausspuckt. Da sind wir ganz froh drum.

      Meine Schwester hat sich schon angewöhnt die Süßigkeiten dann geben zu lassen, aber dem Kind nicht zu geben, weil sie keine Lust auf Diskussionen hat…

  3. Ich finde es toll wie du das mit deinem Sohn machst!! Hoffentlich habe ich auch diese Ruhe wenn meiner dann mal soweit ist. Denn auch wenn ich meinen weg für richtig halte, stresst es mich ungemein wenn andere Leute un der Öffentlichkeit meinen sie müssten mir Ratschläge geben..

    • Hanna Reply

      Oh, ich weiß so genau, was du meinst. Aber ich kann dir versichern: Mit der Zeit lernt man einfach, die ganzen Sprüche zumindest als Sprüche hinzunehmen. Denn ignorieren kann man sie nicht immer. Da können auch richtige Klopper rauskommen…
      Aber wenn man selbst mit dem Weg klar kommt, sollte man versuchen die anderen auszublenden. Denn den Weg, den man selbst findet, wird vermutlich auch für einen selbst und die Situation der richtige sein.

  4. Deine Vorgehensweise find ich gut. Okay, die dummen Sprüche sind weniger gut. Ich persönlich kann mit dummen Sprüchen in der Öffentlichkeit gut umgehen, meine Schmerzgrenze ist da recht hoch. Aber nervig ist es trotzdem. Und manchmal auch einfach unangebracht. Diese Leute sehen einen kleinen Ausschnitt von maximal wenigen Minuten und erlauben sich aufgrund dieser kurzen Zeit direkt ein Urteil.

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