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Alltag Familie

Mein Kind wird mit Medien groß – und ich finde das wichtig!

4. Oktober 2017
Kind spielt mit neuen digitalen Medien | familiert.de

Es ist gar kein Geheimnis, dass Mathias und ich beide Programmierer sind. Wir sind beide Technikfreaks und nutzen Medien auch viel. Was nicht bedeutet, dass wir nicht in der Lage sind echt Bücher zu lesen. Denn zumindest ich bevorzuge „normale“ Bücher wesentlich mehr. 

In #mydigitalday vor 2 Jahren habe ich schon einmal über meine Mediennutzung geschrieben. Im Großen und Ganzen ist es auch noch dabei geblieben. Ich versuche drauf zu achten, das Handy nicht immer in der Hand zu haben, wenn ich mit Noah unterwegs bin. Bis auf ein paar Fotos hier und da klappt es auch sehr gut.

Handyspielen im Zug – „Kinder sitzen heutzutage immer vor den Dingern!“

Es gibt aber auch Situationen, wie neulich im Zug. Ich bin mit Noah von Münster nach Hause gefahren. Der Zug steht schon immer etwas eher im Bahnhof und Noah hat sich gelangweilt. Da hatte er mich gefragt, ob er denn ein Spiel auf dem Handy spielen darf. Kurz gesagt: Er durfte! Und zwar so lange, bis der Zug losfährt. Das waren in dem Fall etwa 10 Minuten. Zwei ältere Leute setzen sich uns gegenüber und sagten sehr offen heraus „Warum müssen denn schon die kleinen immer vor den Dingern sitzen?“

Warum ist Mediennutzung heutzutage wichtig?

Die erste Frage, die sich mir stellte: Immer? Aber davon mal abgesehen: Warum eigentlich? Ich finde es wichtig, dass Kinder heutzutage mit Medien groß werden. Denn so viele Nachteile wie sie mit sich bringen, so viele Vorteile können sie auch haben. Es kommt halt drauf an, was die Kinder dort tun und wie oft bzw. wie lange. Mal ehrlich: Unser Sohn spielt gerne „Tierarzt“ von Fox & Sheep. Da geht es darum, dass verschiedene Tiere verschiedene Krankheiten haben (die auch immer wieder variieren). Wir selbst sind der Doktor und müssen sie gesund machen. Z.B. nach Bienenstichen den Stachel mit einer Pinzette herausziehen und eine Zwiebel drauf tun. Bei diesem Spiel lernt er, welche Krankheiten man haben kann. Warum es sein kann, dass man z.B. eine Brille braucht. Aber auch, was gegen eine Beule hilft.

Nebenbei lernt er aber auch mit den Medien umzugehen. Es ist Wahnsinn, was heutzutage mit den Medien schon möglich ist. So im Vergleich zu meiner Kindheit – die nicht wirklich lange her ist. Wenn man den Vergleich zu den Großeltern oder Urgroßeltern zieht ist das natürlich noch viel beeindruckender.

Der Umgang mit den „neuen“ Medien!

Mir ist es wichtig, dass unser Sohn die „neuen“ Medien kennenlernt. Als Kind auf spielerische Art und Weise. Aber schon jetzt weiß er, wie er zum Beispiel Fotos angucken kann. Das wir einen Ordner haben, wo auch Oma Katze und Ticktack-Opa die Fotos sehen könne. Er weiß, dass man über facetime so telefonieren kann, dass er mit seinem kleinen Cousin ne menge Quatsch machen kann, ohne, dass beide im gleichen Raum sind. Er weiß, dass man auf dem iPad auch Filme gucken kann und wie man sie startet. Aber er weiß nun einmal auch, dass er nicht immer daran darf… Und, dass man auch Bücher normal lesen kann. Man auf dem Tisch Puzzeln kann. Draußen im Sandkasten spiel oder auch mal auf dem Spielplatz baggert.

Das richtige Maß finden…

Was bei der Nutzung mit neuen Medien immer die Frage ist: Wie lange ist lang genug? Ab wann werden die Kinder ein Stück weit süchtig? Wir haben keine festen Zeiten, wann Noah an das iPad oder iPhone darf. Haben auch keine festgelegte Dauer. Wir handhaben das je nach Laune und dem, wie das Wetter gerade ist. Es gibt in der Tat auch Tage, wenn es draußen nur regnet und wir eh alle etwas kränkeln, wo es uns in der Tat eher „egal“ ist, wenn Noah sich 3 Stunden am iPad vergnügt. Wir schauen immer, was er da gerade spielt oder guckt. Aber dann darf er auch mal lange ran. Dafür gibt es auch oft genug Wochen, in denen er gar nicht ran geht. Weil er selbst gar nicht dran denkt. Wir achten schon darauf, dass es keine Wochen gibt, wo er jeden Tag ne Stunde dran sitzt. Aber ich bin kein Freund von Regeln wie „maximal 20 Minuten am Tag“. Insgesamt muss es sich die Waage halten, davon bin ich überzeugt.

Wir früher und sie heute

Wir haben früher viel in Fotoalben geblättert und alte Fotos angeschaut. Heute schaut sich Noah die Fotos eben auf dem iPad an. Weil wir aber auch gar keine Fotoalben zuhause haben. Es ist einfach ein Beispiel, für das, was sich durch die Digitalisierung und neue Medien gewandelt hat. Und warum sollte ich meinem Kind verbieten sich Fotos anzuschauen und mit mir über die Geschichten zu reden? Nur, weil sie mittlerweile auf dem iPad zu sehen sind?

Weitere Leseempfehlungen:

Alu von Grossekoepfe – Wie der Sohn am Tag mehrere Sonnenaufgänge festhalten möchte

Dajana von Mit Kinderaugen – Warum wir unsere Kinder mit digitalen Medien erziehen?

Die Rabenmutti eher kritisch – Medienkompetenz von (klein)Kindern fördern

Ebenfalls von der Rabenmutti – Digitale Freizonen sind wichtig für Kinder

  • Reply
    heibie
    6. Oktober 2017 at 9:41

    Hab ich auch mal dazu gebloggt https://www.bielinski.de/2017/08/zeit-fuer-medien/

  • Reply
    Voll analog und doch nicht doof - Kinder und Medien Teil 1 - Mannpluskind
    23. Februar 2018 at 22:03

    In regelmäßigen Abständen liegen Prospekte mit Kinderspielzeug in unserem Briefkasten. Geht es nach der Spielzeugindustrie dann wünschen sich schon Babys einen Lerncomputer oder ein erstes Smartphone. Und die lieben Kleinen sollen ja nicht mit den Geräten daddeln oder so, nein sie fördern die kindliche Entwicklung und sind deshalb pädagogisch wertvoll! Behauptet jedenfalls die Werbeindustrie. Welche Eltern sagen da noch nein, wenn es doch um die optimale Förderung ihrer Kinder geht. Bloß nicht, dass die lieben Kleinen den Anschluss verpassen.
    Aber ist das wirklich so? Brauchen schon Wickelkinder ein Tablet auf dem Schoß oder ein Smartphone in der Hand? Und was hat das Ganze mit uns Eltern zu tun? Darum geht es in meiner mehrteiligen Themenreihe Kinder und Medien, die heute startet.
    Schön der Reihe nach!
    Alle reden von Medienkompetenz. Kinder sollen und müssen eine eigene Handlungskompetenz im Umgang mit den digitalen Medien erlangen. Stimmt! Aber müssen Kinder unter drei unbedingt schon digitale Kompetenzen entwickeln? Nein! Für sie geht es eigentlich um etwas ganz anderes – um die Entwicklung ihrer eigenen „analogen“ Kompetenzen.
    Beispiel: Wir Eltern füttern unsere neugeborenen Kinder nach der Geburt ja auch nicht gleich mit Chilli con Carne. Nein, natürlich nicht! Vielmehr werden unsere Kinder zu Beginn gestillt oder bekommen die Flasche. Erst nach Monaten oder gar Jahren wird ihr Verdauungssystem ganz behutsam an Gemüse, Obst, Fleisch und Gewürze gewöhnt.
    Oder ein anderes Beispiel: Kein Mensch käme auf die Idee, seiner zweijährigen Tochter den Autoschlüssel in die Hand zu drücken, ihr beim Anschnallen zu helfen und der jungen Autofahrerin noch ein „Aber bitte nicht so schnell!“ hinterher zu rufen. Nein, vorher gibt es noch ein paar andere Fahrzeuge, mit denen Kindern die sichere Teilnahme am Straßenverkehr erlernen müssen.
    Keine digitalen Medien unter Drei*
    Was ich damit sagen will, in den ersten drei Lebensjahre brauchen Kinder noch keine digitalen Medien. Warum? Kinder müssen ganz in Ruhe eine Vielzahl sensomotorischer Erfahrungen sammeln, damit sie später das Tablet oder Smartphone „gesund“ nutzen können.
    *Für mich gibt es ein paar Ausnahmen: wenn via Skype/Facetime Kontakt zu wichtigen Beziehungspersonen gehalten wird, wenn Familien gemeinsam Fotos anschauen und/oder wenn Eltern ihren Kindern E-Bilderbücher via Smartphone/Tablet vorlesen. Dann sage ich gerne  ja zu Bildschirmmedien unter Drei.
    Fragt man übrigens Entwicklungspsychologen und Medienpädagogen, dann hört man ganz unterschiedliche Einschätzungen ab wann Kinder überhaupt digitale Medien nutzen sollten. Reden die Medienpädagogen vom sogenannten Kindergartenalter (ab drei Jahre), sprechen die führenden Entwicklungspsychologen von Mitte der Grundschule. Aber bei einer Aussage sind sie alle einer Meinung: keine digitalen Medien unter drei.
    Die Wichtigkeit der sensomotorischen Entwicklung bei Kindern unter Drei
    Zurück zu den senomotorischen Erfahrungen. Babys und Kleinkinder begreifen ihre Welt durch Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Tasten und durch den Dreh-, Schwerkraft- und Eigenbewegungssinn.
    Wie sich ein Waschlappen anfühlt, ein Holzstück schmeckt, ein Schafsfell riecht, welche Geräusche eine Rassel von sich gibt, alles vielfältige Sinneserfahrungen, die sich sofort im Gehirn nieder schlagen.
    Das Gleiche gilt für Bewegungserfahrungen. Wenn ich meine Hand öffne, fällt der Inhalt einfach zu Boden, ich muss nichts weiter dafür tun. Oder wenn ich einen Gegenstand greifen möchte, der auf der anderen Seite des Raumes liegt, muss ich meinen Körper bewegen können, egal ob durch Robben, Rutschen, Krabbeln oder Laufen.
    Das Material für diese Lernerfahrungen muss noch nicht mal pädagogisch wertvoll sein. Ob Schwamm, Klopapierrolle,  Tuperdose, Kochlöffel, Luftballon, Wollknäuel, Feder, Knisterpapier, Rasierschaum in der Badewanne oder Joghurtbecher, die man stapeln kann. Alles wunderbare Materialen zum Begreifen der Welt.
    Nehmen wir mal den Rasierschaum in der Badewanne. Wie sich der Schaum anfühlt, so schön schmierig und glitschig, wie soll das ein Youtube-Video auf dem Smartphone oder Tablet simulieren? Keine Chance. Diese Sinneserfahrung kann man nicht digital erfahrbar machen (jedenfalls heute noch nicht ???? ).
    Aber genau Dank solcher Erlebnisse lernen Kinder die vielfältigen Sinnes- und Bewegungserfahrungen zu verknüpfen. Und deshalb haben digitale Medien ihre Zeit. Erst müssen Kinder die reale Welt verstehen und die Welt angefasst haben. Dadurch bauen sie ihre eigene starke Innenwelt auf. Nur so können sie mündige Mediennutzer werden, die später selbstbestimmt ihre eigene Mediennutzung steuern können.
    Noch einen Satz zu mir: ich liebe digitale Medien, bin nicht selten zu oft und zu lange in der digitalen Welt und freue mich schon riesig auf die ersten gemeinsamen Wimmel- und Spieleapp-Nachmittage mit beiden Kindern. Mit dem Tiger (*2013) spiele ich nun seit knapp einem Jahr verschiedene Apps. Lila (*2016) darf noch nicht. Aber dazu demnächst mehr …
    Vorschau auf den zweiten Teil der Reihe Kinder und Medien
    Im März folgt der zweite Teil der Reihe „Kinder und Medien“. Dann geht es um den Spracherwerb, die Entwicklung der Kreativität, das Aushalten von Langeweile und das Entwickeln der Frustrationstoleranz.
    Mit dem Thema Kinder und Medien haben sich vor mir natürlich auch schon andere Blogger*innen befasst. Es gibt ja auch nicht die richtige Meinung, ist ja auch ein weites Feld ???? Hier vier Leseempfehlungen:  familiert, mitkinderaugen, Zwillingswelten, Münstermama

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