Eigentlich bringt mich sowas ja nicht mehr auf die Palme. Aber manchmal, da muss es einfach mal raus: Habt ihr euch da draußen, die behaupten ich wäre eine unverantwortliche Mutter einmal gefragt, ob es auch nur ansatzweise stimmt?

Immer wieder werde ich so hingestellt, weil ich ungeplant schwanger geworden bin. Weil ich noch mitten in der Ausbildung war. Weil ich mich für dieses Kind entschieden habe. Aber ganz ehrlich? Was wissen diese Menschen denn schon?

Es fängt ja schon so an, dass wir trotz Verhütung schwanger geworden sind. Ja. Wir haben verhütet. Und kein Verhütungsmittel ist so sicher, dass es zu 100% verhindern kann, dass sich nicht doch ein Embryo einnistet. Also können wir hier mal feststellen: Wir haben NICHT unverantwortlich gehandelt.

Als wir dann gemerkt haben, dass ich schwanger bin, sind wir alle Möglichkeiten durchgegangen. Auch den Weg der Abtreibung haben wir besprochen, uns jedoch bewusst für unser Kind entschieden. Auch diese Entscheidung bereuen wir zu keinem Zeitpunkt. Also auch in diesem Punkt würde ich behaupten, dass wir NICHT unverantwortlich gehandelt haben. Immerhin sind wir alle Möglichkeiten durchgegangen.

Und ja, ich wurde mitten in der Ausbildung schwanger. Aber von dem Beginn an war es mir wichtig, dass ich diese Ausbildung auf jeden Fall abschließen werde. Ich wollte meinem Kind sagen können, dass ich nicht wegen ihm alles hab sausen lassen. Mir war es wichtig auch im Fall aller Fälle auf eigenen Füßen stehen zu können. Meinem Kind etwas bieten zu können. Auch in diesem Punkt habe ich garantiert NICHT verantwortungslos gehandelt.

Der Umstand, dass ich mein Kind bereits mit 6 Monaten in den Kindergarten gegeben habe war damit bestimmt, das ich für mich und unseren Sohn einen sanften einstieg von gar nicht zu Vollzeit arbeiten wollte. Weil es durch meine Ausbildung klar war, dass ich mindestens 6 Monate Vollzeit arbeiten gehen muss. Und das lässt für mich nur den Schluss, dass ich auch hier NICHT unverantwortlich war. Denn es diente nicht nur mir, weil ich es wollte, sondern auch ihm.

Als ich dann 2 Monate Vollzeit in die Uni musste und nur am Wochenende zuhause bei meiner Familie war, diente dies dem Umstand, dass ich meine Ausbildung so schnell wie möglich beenden wollte. Also erst bin ich unverantwortlich, weil ich womöglich die Ausbildung sausen lasse und dann, weil ich sie beende? Merkt ihr selbst, oder?

Die letzten 4 Monate musste ich Vollzeit bei meinem Arbeitgeber arbeiten, weil es bei meiner Form der Ausbildung einfach nicht anders möglich war. Aber mal ehrlich: Ich hatte noch so viele Überstunden und Urlaubstage, dass ich garantiert keine einzige Woche eine 39 Stundenwoche gemacht habe!

Und jetzt, wo ich meine Ausbildung erfolgreich beendet habe, soll ich unverantwortlich sein, weil ich trotzdem weiter arbeite? Es ist bekannt, dass ich nicht mehr 100% sondern „nur“ 70% arbeite. Aber trotzdem bin ich unverantwortlich, weil ich ein Kind unter 3 habe und es wage ihn weiterhin in den geliebten Kindergarten zu geben?

Entschuldigt, aber da kann ich nur lachen. Denn jeder, der mich wirklich kennt müsste wissen, dass ich eine Person bin, die niemals zu 100% Mama sein kann und brav zuhause ist und sich rund um die Uhr um die Kinder und den Haushalt kümmert (nichts gegen diese Mütter, nur so bin ICH nunmal nicht). Dafür geh ich viel zu gerne Arbeiten und habe auch gerne andere Menschen um mich herum, mit denen ich mich auch abseits der Mutti-Themen unterhalten kann!

Klar sind nicht alle Reaktionen so. Aber es gab in der Tat von ehemaligen sehr guten Freunden diese Reaktion. Und von Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Und Personen, die mich unterrichten sollten. Personen, auf der Straße die mich nicht kennen. Personen im Zug. Personen aus dem nähren Umfeld. Und Personen aus dem Dorf…

Author

Mama Hanna (25Jahre jung) kommt gebürtig aus einer kleinen Stadt mitten in Schleswig-Holstein. Seit 2011 wohnt sie mit ihrem Mann (2016) im Münsterland. Der gemeinsame Sohn kam 2014 auf die Welt und machte sie zur Familie.

15 Comments

  1. Solche Reaktionen kenne ich…
    Ich wurde während des Studiums ungewollt schwanger. „Ja dann habt ihr falsch verhütet…“ Komisch ich habe davor über 10 Jahre ERFOLGREICH mit der Pille verhütet….
    Ich habe versucht weiter zu studieren „wie kannst du nur?“ Dann habe ich unterbrochen, weil es finanziell besser ging „Wie kannst du nur“ Ähm was den nun?!?
    Ich habe den Zwerg mit 2 in der Kita angemeldet „SO FRÜH??“ Habe aber keinen Platz bekommen, auch nicht mit 3… erst mit 4 „VIEL ZU SPÄT“ Ich hab wieder die Uni begonnen „schaffst du doch eh nie!!“ Rede ich davon das ich mal eine prüfung nicht so geschafft habe wie geplant „ja du bist eh zu faul“

    Wie mans macht, man macht es keinen Recht. Bisse zuhause bisse faul, bisse arbeiten, schiebste das kind ab. Machste halbhalbt kannste dich net entscheiden.

    Ich war froh das ich gesetzlich keinen abbruch mehr vornehmen durfte. so konnte mir KEINER reinreden. Mein Körper gab mir eben erst ab den 3 Monat die signale einer schwangerschaft (vorher auch normal die regel) DAS konnte keiner mir zum vorwurf machen, wobei ich auch den tipp mit Holland bekommen habe -.-“ Ernsthaft! von der eigenen Familie!
    Ich sollte lieber Putzen gehen statt ne ausbildung noch mal machen. Wird ja eh nix gescheites aus mir. Nun heißt es ich fühle mich als stukadierte als was besseres und würde auf das billiger arbeitervolk herrabsehen… dabei bin ich nicht mal fertig.

    Wie man es macht, man macht es falsch.

  2. Wir haben uns bewusst für unser 2tes Kind in der Ausbildung entschieden… Es war unser Wunsch und wir sind uns sowohl über die Schwierigkeiten als auch über die positiven Dinge im klaren Gewesen.
    Bis jetzt haben wir und allerdings solches noch nicht anhören müssen. Sicher gefällts nicht allen, aber sind glücklich und freuen uns auf den Nachwuchs im Januar 2016…Dann werde ich ein halbes Jahr Elternzeit nehmen :)
    Was andere sagen, ist uns mittlerweile nicht mehr so wichtig, denn wir sind glücklich so wie es ist!

    • Hanna Reply

      Es ist schön, dass ihr euch so entschieden habt! Ich würde im Nachhinein auch immer sagen, dass es sogar Vorteile hat im Studium oder der Ausbildung schwanger zu werden… Ohne jetzt dafür „Werbung“ zu machen. Aber toll, dass ihr euch dafür entschieden habt und vor solchen Vorwürfen Ruhe habt :)

  3. Mir ging es da ganz ähnlich: Ich wurde im 1. Lehrjahr ungeplant schwanger. Und für mich war ebenso klar, dass ich diese Ausbildung beenden werde. Zwar war meine Elternzeit 2 Jahre lang, aber danach war die Große anfangs von 6 bis 18 Uhr in Betreuung. Tja, rate mal, was ich war: eine Rabenmutter, na klar! Ich hörte immer wieder, wie schrecklich es für mein Kind ist und alles.
    Durch einen Umzug verkürzte sich dann die Betreuungszeit stark und sie hatte nur noch eine 45-Stunden-Woche im Kindergarten. Rabenmutter blieb ich.
    Aber: Leute, die mir das vorwarfen haben heute 4 Kinder, sind geschieden und leben vom Staat, weil sie ihre eigene Ausbildung abgebrochen haben und sich auf „ich bin ja verheiratet“ verließen. Ein bisschen Schadenfreude herrscht dann schon. ;)
    Beim 2. Kind haben wir uns nun bewusst für die Familienplanung im Studium entschieden. Der Mann und ich, wir sind beide eher „spätere“ Studenten und wenn wir fertig sind und etwas Berufserfahrung gesammelt haben, ist es schon zu spät für Kinder.
    Wie dem auch sei: JedeR muss seinen Weg finden und ihn gehen. Ich mag die Urteile nicht, die sich irgendwelche Leute erlauben. Das ist einfach nur anmaßend. -.-

    • Wenn alles gut geht, soll bei uns auch noch ein Kind im Studium kommen. Ich scheiß auf die anderen und auf das „dann studierst du ja noch länger“ Wenn ich 75% der Prüfungen hinter mir habe,geht es ans Babyplanen *g*und vielleicht ist dann mein Freund auch selber wieder Schüler. Er will Abi nachholen und dann auch Studieren. Da hier im Ruhrgebiet mit Einzelhandel echt scheiß Chancen sind. Ich persönlich finde ja die Zeit im Studium ist die beste Zeit für ein Kind. Kp es gibt Studiengänge die nicht so easy vereinbar sind, aber genug.

      • Hanna Reply

        Ich würde auch bei einem weiteren Studium ein Kind planen – wenn denn noch eins kommen soll. Ich persönlich plane da zur Zeit anders. Sobald sich ein zweites Kind ankündigt, würde ich immer mit dem Master beginnen und diesen quasi in der Elternzeit machen.

    • Hanna Reply

      Es tut so gut auch solche Geschichten zu hören und dadurch zu wissen, dass man nicht alleine ist. Danke, dass du dies mir geschrieben hast! Hätte ich auch nochmal die Wahl und ein „normales“ Studium, würde ich ein Kind auch darein planen. Jetzt plane ich anders: Ist ein zweites Kind in Sicht, dann werde ich in der Elternzeit und Mutterschutz den Master in Angriff nehmen ;)

  4. Ich würde einfach mal sagen, lebt euer Leben so wie ihr es für richtig empfindet….und gebt nichts auf das Gerede anderer Leute, die ja immer alles so viel besser wissen als man selber.

    • Hanna Reply

      Das werden wird. Und so richtig geben wir da auch wenig drauf. Irgendwann ist aber immer mal ein Punkt erreicht, wo all das raus muss, damit man sich selbst wieder besser fühlt…

  5. Mit welcher Authorisation erdreistet sich jemand, über deinen Lebensweg zu urteilen?
    Wer gibt welcher Person auch immer sich da außerhalb deiner Körperhülle zu deinen Entscheidungen äußert das Recht, dich so sehr in moralische Zwänge zu versetzen, dass du dich genötigt siehst, dich zu erklären?
    Wie kommen diese Nasen auf die Idee, ihre Ansicht der Welt und „wie sie sein sollte“ wären auch nur einen Deut besser?

    Wer ohne Fehl ist, werfe den ersten Stein. So lang is Schnauze halten und Menschen ihr Leben leben lassen ein äußerst probates Mittel.

    Herzlichst,
    Steffen

    PS: Ich finde es persönlich wundervoll, dass ihr euer Leben lebt, so wie ihr es wollt. Und wenn etwas davon mal Scheiße ist, dann dient sowas gewöhnlich gut dazu, ‚Erfahrungen zu sammeln‘. Macht ihr mal, das wird schon passen. ;)

  6. Ist doch komisch das man immer nur Frauen angreift das sie arbeiten oder nicht arbeiten.
    Hat schon mal jemand einen Post gelesen wo ein mann angegriffen wurde weil er arbeitet oder zu Hause beim Kind bleibt. Ja sowas gibt’s.
    Darüber regt sich niemand auf, ganz im Gegenteil, solche Papas werden gefeiert. Verrückte Welt.
    Am schlimmsten finde ich das das gemecker fast ausschließlich von anderen Frauen kommt. Warum greifen wir uns gegenseitig an. Sind wir Frauen neidisch oder böse, oder woran liegt das.

    • Hanna Reply

      Das ist echt komisch. Also der Papa hier, der wurde auch von vielen gelobt, dass er zum Beispiel in Elternzeit gegangen ist. Und das er neben dem Arbeiten nun noch sein Studium nebenberuflich durchzieht finden auch alle mehr als toll…

  7. Ach, du gehörst auch zu den Frauen, die Kinder bekommen, weil sie das wollen und können und dann ihr Geld auch noch selber verdienen, weil sie das wollen, können UND müssen?
    Willkommen im Club der bösen Mütter. Keine Sorge, da kommt nicht jede rein. Ist nur exklusiv für die ganz Schlimmen! Und weil wir so elitär sind, hast du offensichtlich alles richtig gemacht. Bei uns gilt nämlich die Devise: Solange es allen in der Familie damit gut geht, ist jede Lösung gut.

    Aber du hast recht, man braucht ein dickes Fell. Wir sind die Deppen unter den Müttern und oft auch die Deppen bei der Arbeit. Das muss man erstmal abkönnen. Aber das lernt man schon mit der Zeit.

    • Hanna Reply

      Nicht ganz. Ich muss nicht. Aber ich möchte. Also zu dem Zeitpunkt, als ich meine Ausbildung beenden musste, musste ich klar arbeiten. Aber auch jetzt arbeite ich noch gerne, weil es mich selbst ausgleicht. Zwar nicht mehr zu 100% aber ja, ich arbeite noch. Und es war meine Entscheidung, wann und wie ich meine Ausbildung fortsetze. Das durfte ich dank meinem Arbeitgeber komplett selbst entscheiden ;)

Write A Comment

Pin It